Ist Gewalt gegen Frauen und Männer anders? Ein Interview mit der Psychologin Virginie Tournefier

Dieses Video bietet eine tiefgründige Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen anhand eines Interviews mit Virginie Tournefier, Doktorin der Psychopathologie und Psychoanalyse sowie Psychotherapeutin beim Jugendgerichtshilfedienst. Sie beleuchtet eine weitgehend unbeachtete Perspektive: die Erkennung und Analyse von Gewalt gegen Frauen, um die Beziehungen zwischen Frauen und Männern, Geschlechterstereotype und Präventionsmechanismen besser zu verstehen.

Das Interview zeigt, dass Gewalt durch Frauen existiert, aber gesellschaftlich, wissenschaftlich und rechtlich schwer zu fassen ist. Sie wird oft verharmlost, geleugnet oder als von Männern «übernommene» Gewalt interpretiert, was zu Verzerrungen in der juristischen und klinischen Versorgung führt. Diese Unsichtbarkeit behindert ein differenziertes Verständnis der begangenen Taten und eine wirksame Prävention.

Virginie Tournefier erklärt aufgrund ihrer klinischen Erfahrung mit jugendlichen Mädchen und Jungen unter der Aufsicht des Jugendstrafvollzugs, dass Gewalt unter Frauen nicht auf Viktimisierung beschränkt ist, auch wenn traumatische Erlebnisse manchmal eine Rolle spielen. Sie kann auch eine Form der Verteidigung, des Schutzes, der Selbstbestätigung oder der Zugehörigkeit zu einer Gruppe sein und sich in besonders gewalttätigen kollektiven Formen äußern.

Die Diskussion thematisiert auch die von Frauen verübte sexuelle Gewalt – ein lange vernachlässigtes Thema – sowie die Auswirkungen sozialer Normen, die den Ausdruck von Gewalt unter Mädchen einschränken oder verdrängen. Das Video unterstreicht, wie wichtig es ist, vereinfachende Interpretationen zu überwinden, um diese jungen Menschen besser zu unterstützen, Rückfälle zu verhindern und ihnen eine friedlichere Entwicklung in der Adoleszenz zu ermöglichen.

Dem Video liegt die These zugrunde, dass die Auseinandersetzung mit Gewalt gegen Frauen den Kampf gegen Gewalt gegen Männer nicht schwächt: Im Gegenteil, sie ermöglicht es uns, die Geschlechterdynamik besser zu verstehen, uns von Stereotypen zu befreien und die Prävention aller Formen von Gewalt zu stärken.

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