Dieses Video erklärt, wie die Prävention sexueller Gewalt in den umfassenderen Rahmen der öffentlichen Gesundheit eingebettet ist, und zwar anhand von vier sich ergänzenden Ebenen: Primär-, Sekundär-, Tertiär- und Quartärprävention. Zunächst wird darauf hingewiesen, dass dieses Modell bei vielen Gesundheitsproblemen wie Adipositas, HIV und Krebs Anwendung findet, um Maßnahmen je nach Interventionsstadium anzupassen.
Primärprävention zielt darauf ab, sexuelle Gewalt zu verhindern. Sie stützt sich insbesondere auf Aufklärung über sexuelle Einwilligung, die Entwicklung psychosozialer Kompetenzen, die Förderung respektvoller sozialer Normen sowie auf Aufklärung über das emotionale, partnerschaftliche und sexuelle Leben. Öffentlichkeitskampagnen, alters- und zielgruppengerechte Bildungsprogramme und Informationsvideos fallen alle unter diese erste Stufe.
Sekundärprävention greift, sobald Risikosituationen oder erste Anzeichen von Gewalt erkannt werden. Sie umfasst Früherkennung, Weitervermittlung und schnelles Eingreifen. Dazu gehört die Schulung von Fachkräften im Erkennen von Warnsignalen, die Einrichtung von Beratungsstellen, Telefonnummern und Meldeverfahren sowie gezielte Maßnahmen für Risikogruppen oder Personen, die wahrscheinlich Gewalttaten begehen werden.
Die tertiäre Prävention befasst sich mit Situationen, in denen Gewalt bereits stattgefunden hat. Ihr Ziel ist es, die Folgen für die Opfer zu begrenzen und Rückfälle zu verhindern. Sie umfasst psychologische und medizinische Unterstützung für die Opfer, juristische und sozialjuristische Mechanismen sowie Programme zur Behandlung und Prävention von Rückfällen bei Sexualstraftätern.
Schließlich zielt die quartäre Prävention darauf ab, unnötige, übermäßige oder kontraproduktive Interventionen zu vermeiden. Sie soll sowohl Opfer als auch Täter vor einer Eskalation von Maßnahmen schützen, die sie weiter schwächen könnten. Konkrete Beispiele hierfür sind etwa eine einzige Anhörung mit einem minderjährigen Opfer, um traumatische Wiederholungen zu vermeiden, oder die Notwendigkeit, pädagogische, psychologische und rechtliche Unterstützung zu koordinieren, um eine kontinuierliche und angemessene Betreuung zu gewährleisten.
Das Video kommt zu dem Schluss, dass eine wirksame Prävention sexueller Gewalt auf der Koordination dieser vier Ebenen beruht. Keine von ihnen ist für sich allein ausreichend: Erst ihr Zusammenspiel ermöglicht es, Risiken zu reduzieren, Einzelpersonen besser zu schützen und die individuellen und gesellschaftlichen Folgen sexueller Gewalt einzudämmen.